Per­sön­li­cher Wer­de­gang & Ein­stieg in die Geschäftsführung 

Ihre Geschich­te: Wenn Sie auf Ihre bis­he­ri­ge beruf­li­che Lauf­bahn zurück­bli­cken — gibt es einen beson­de­ren Moment oder eine Erfah­rung, die Sie schon früh auf den Weg zum Erfolg geführt hat?

Mit knapp Mit­te 30 bli­cke ich wohl anders auf Lauf­bahn und Erfolg als jemand, der bereits jahr­zehn­te­lan­ge Erfah­rung auf dem Buckel hat. Inso­fern ist ein Rück­blick für mich eher eine fort­lau­fen­de Refle­xi­on dar­über, wie schnell ich tat­säch­lich in die Geschäfts­füh­rung von Unter­neh­men hin­ein­ge­wach­sen bin – etwas, das ich mir zum Stu­di­en­ab­schluss noch nicht hät­te vor­stel­len kön­nen. Und den­noch stand ich kurz dar­auf mit­ten­drin – her­aus­for­dernd, aber letzt­lich bin ich dar­an gewachsen.

 

Ich lei­te das Berg­bau­un­ter­neh­men Pal­ten­ta­ler Splitt- & Mar­mor­wer­ke mit den Berei­chen Erd­bau, Trans­port und Recy­cling nun seit knapp 7 Jah­ren. In sechs Berg­bau­be­trie­ben gewin­nen wir die Roh­stof­fe Dolo­mit und Cal­ci­um­car­bo­nat. Zudem füh­re ich seit 9 Jah­ren die Fir­ma IPUS, die an der hoch­wer­tigs­ten Zeo­lith-Klin­op­ti­lo­lith-Lager­stät­te in Euro­pa betei­ligt ist und ent­wi­ckeln dar­aus Pro­duk­te für den inter­na­tio­na­len Ver­trieb in den Berei­chen Bio­gas, Indus­trie und Land­wirt­schaft. Unse­re For­schungs­pro­jek­te haben den Schwer­punkt u.a. auf der Emis­si­ons­re­duk­ti­on sowie Leis­tung und Tier­ge­sund­heit mit Fokus auf das Darm­mi­kro­bi­om und Darmgesundheit.

Plan war das nie. Es war ein „Lear­ning by Doing“. Wenn ich auf die letz­ten Jah­re zurück­bli­cke, dann lief im Fami­li­en­be­trieb vie­les anders als bspw. in einem Start-up, das man mit sei­ner eige­nen Idee star­tet. Man fin­det sich mit­ten im Gesche­hen wie­der, ich habe mich nicht bewusst ent­schie­den zum „Das mache ich jetzt“


Das Grund­in­ter­es­se war defi­ni­tiv da. Ich schät­ze mei­ne Fami­lie, unse­re Tra­di­ti­on – und ich bin demü­tig gegen­über dem, was mei­ne Groß­el­tern auf­ge­baut und mein Vater wei­ter­ent­wi­ckelt hat. Dass ich heu­te in drit­ter Gene­ra­ti­on wei­ter­füh­ren darf, ist für mich ein gro­ßes Geschenk.

Es gab bei mir nicht den einen Moment, die eine Idee. Die mutigs­te Ent­schei­dung war 2016, direkt nach dem Stu­di­um, die Geschäfts­füh­rung zu über­neh­men – von heu­te auf mor­gen, ohne Über­ga­be. Im Nach­hin­ein war das eine Bauch­ent­schei­dung. Hät­te ich alles durch­ge­dacht, hät­te mir wahr­schein­lich der Mut gefehlt und ich hät­te mir die Rol­le nicht zuge­traut. Man­che Schrit­te muss man wohl ein­fach gehen, ohne zu lan­ge zu überlegen. 

Die Schu­le in unse­rem Fami­li­en­un­ter­neh­men war wohl die bes­te, die ich mir vor­stel­len kann. Ich durf­te viel mit­er­le­ben, vie­le Ein­bli­cke gewin­nen – und durch den Sprung ins kal­te Was­ser auch viel ler­nen. Natür­lich lernt man nie aus. Aber das Schwie­rigs­te war: für die Visi­on eines ande­ren zu bren­nen, ohne selbst aus­zu­bren­nen. Und genau die­sen Sprung muss­te ich in unse­rem Fami­li­en­un­ter­neh­men schaf­fen. Mit einem eige­nen Weg, mit mei­nem Weg. 

Natür­lich bringt ein Fami­li­en­un­ter­neh­men immer eine Ver­gan­gen­heit mit sich. Es steckt viel Poten­zi­al dar­in, weil schon viel auf­ge­baut wur­de. Aber es gibt auch Erfah­run­gen und Struk­tu­ren, oder auch die Fir­men­kul­tur, die man anpas­sen möch­te, aber nicht von heu­te auf mor­gen ver­än­dern kann.

Denn ein Unter­neh­men zu grün­den ist das eine – eines zu über­neh­men und zugleich zu erneu­ern das ande­re. Ich kann nur für etwas bren­nen, indem ich selbst mit­ge­stal­te. Am Ende soll aus dem Fami­li­en­un­ter­neh­men auch mein eige­nes Unter­neh­men werden.

Unternehmertum

Ent­schei­dun­gen mit Herz oder Kopf? 

Wel­che Ihrer bis­he­ri­gen Ent­schei­dun­gen war die mutigs­te? Und wie bli­cken Sie heu­te dar­auf zurück?

 

Rück­schlä­ge und Tri­um­phe: War es immer ein gerad­li­ni­ger Weg zum Erfolg, oder gab es Momen­te, die Sie kom­plett aus der Bahn gewor­fen haben? Wie haben Sie sich wie­der aufgerichtet?

 

Es gab vie­le Momen­te, in denen ich nicht mehr wuss­te, ob das der rich­ti­ge Weg für mich ist. Was mir in sol­chen Situa­tio­nen immer gehol­fen hat, war die Aus­rich­tung: den Fokus zu ändern und sich bewusst zu machen, dass es nicht nur Schwarz oder Weiß gibt.

 

Was mich immer wie­der moti­viert, ist die Mög­lich­keit zu gestal­ten. Also der Bei­trag, den man leis­ten kann. Als Ein­zel­per­son – aber noch mehr als Unter­neh­men. Auch wenn wir kein Kon­zern sind, so haben wir doch 40 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter. Und alle haben Fami­li­en. Wir arbei­ten mit regio­na­len Part­nern, und auch die­se beschäf­ti­gen wie­der­um Men­schen. Die­sen Hebel mache ich mir bewusst und auch, wie vie­le Men­schen mit mei­nem eige­nen Han­deln ver­bun­den sind. 

 

Beson­ders prä­gend für mich war die Erkennt­nis, dass es nicht nur um fach­li­che Ent­schei­dun­gen geht, son­dern vor allem um das Mit­ein­an­der. Ein star­kes Team, aber auch stra­te­gi­sche Part­ner­schaf­ten, sind lang­fris­tig ent­schei­dend für den Erfolg.

Natür­lich ist nicht immer alles „hap­py pep­pi“. Dann hilft es manch­mal wie­der einen Schritt zurück­zu­tre­ten, Din­ge zu ana­ly­sie­ren und dann mit neu­er Ener­gie wei­ter­zu­ma­chen. Man lernt schnell, dass man die Din­ge nicht per­sön­lich neh­men darf.

 

Frauenportrait Rottenmann Steiermark Österreich

Per­sön­li­che Werte:Welche Wer­te beglei­ten Sie bei allem, was Sie tun, und wie spie­geln sie sich in Ihrem Unter­neh­men wider? 

Mei­ne Wer­te spie­geln sich in mei­ner Füh­rungs- und hof­fent­lich auch in unse­rer Unter­neh­mens­kul­tur deut­lich wider. Ver­ant­wor­tung, Ehr­lich­keit und Loya­li­tät sind für mich die Basis. Ich könn­te nichts tun, bei dem ich jeman­den „andodl“, weder bei mei­nen Mit­ar­bei­tern noch unse­ren Part­ner gegenüber.

 

Als Unter­neh­me­rin sehe ich mich in der Pflicht, nicht nur für wirt­schaft­li­chen Erfolg zu sor­gen, son­dern auch lang­fris­tig fai­re und nach­hal­ti­ge Ent­schei­dun­gen zu treffen.

Österreichisches Unternehmertum

Fami­li­en­un­ter­neh­men – Her­aus­for­de­rung oder Pri­vi­leg? Wie erle­ben Sie den Gene­ra­tio­nen­wech­sel in der Praxis?

Ein Fami­li­en­un­ter­neh­men zu füh­ren ist etwas ganz Beson­de­res – im Guten wie im Her­aus­for­dern­den. Es gibt kei­ne kla­re Über­ga­be mit Datum, zumin­dest bei uns nicht, son­dern man wächst hin­ein. Oft über Jah­re hin­weg. Und manch­mal eben auch ins Unkla­re hin­ein, so wie bei mir.

 

Mein Groß­va­ter müt­ter­li­cher­seits aber auch mein Vater waren und sind unglaub­lich muti­ge Unter­neh­mer. Visio­nä­re, die Din­ge bewegt haben, als ande­re noch zöger­ten. Dafür habe ich gro­ßen Respekt. Aber genau das bringt auch Span­nung mit sich, wenn man als nächs­te Gene­ra­ti­on eige­ne Ideen ein­brin­gen will.

 

Es gibt kei­ne Anlei­tung dafür, wie man in die­ser Kon­stel­la­ti­on alles rich­tig macht. Vie­les ent­steht im Tun – und man­ches auch im Ringen 😉

Unter­schied­li­che Denk­wei­sen, ver­schie­de­ne Ansich­ten, ande­re Füh­rungs­an­sät­ze. Ganz ehr­lich: da kann es auch mal kra­chen. Aber das gehört dazu.

Es for­der­te mir auch Mut ab, Din­gen zu hin­ter­fra­gen. Nicht aus Trotz, son­dern weil sich Märk­te ver­än­dern, Struk­tu­ren wan­deln und Füh­rung heu­te anders funk­tio­niert. Ich habe gelernt, dass es wich­tig ist, eige­ne Posi­tio­nen zu ent­wi­ckeln – auch wenn das manch­mal Kon­flik­te mit sich bringt und für bei­de Sei­ten ein Lern­pro­zess ist. Das gelingt auch nicht immer sofort.

 

Und trotz­dem – oder gera­de des­we­gen – ist mei­ne Fami­lie der wich­tigs­te Rück­halt. Weil wir uns auch nach einer Aus­ein­an­der­set­zung wie­der gemein­sam an einen Tisch set­zen. Weil wir ein gemein­sa­mes Fun­da­ment haben, auch wenn wir nicht immer der­sel­ben Mei­nung sind.

 

Ich den­ke, die Kon­stel­la­ti­on zwi­schen zwei Gene­ra­tio­nen muss kein Wider­spruch, son­dern kann defi­ni­tiv auch eine Chan­ce sein.

 

Für mich ist es ein Pri­vi­leg, auf dem auf­zu­bau­en, was gewach­sen ist – aber auch die Ver­ant­wor­tung zu tra­gen, es wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Daher auch mein Leit­spruch bei mei­nem Leder­sprung in den Stand des Ehren­berg­man­nes:
Mit Stolz Bewähr­tes erhal­ten und mit Mut zur Ver­än­de­rung gestalten.

 

Erfolgsstorie

Das Geheim­nis Ihres Erfolgs

Was ist für Sie wich­tig für Erfolg?

Für mich ist es wich­tig, den ehr­li­chen Aus­tausch zu suchen. Je höher die beruf­li­che Posi­ti­on, des­to weni­ger Feed­back bekommt man – und genau das hal­te ich für gefährlich.

 

Mei­ne größ­te Angst ist es, betriebs­blind zu wer­den. Des­halb spre­che ich regel­mä­ßig mit ehe­ma­li­gen Stu­di­en­kol­le­gen, mit Mentor:innen aus ver­schie­de­nen Bran­chen und nut­ze jede Gele­gen­heit, um ande­re Sicht­wei­sen ken­nen­zu­ler­nen – auch als Bench­mark. Das gelingt mir oft mit Per­so­nen leich­ter, die mir nicht so nahe­ste­hen. Ich habe das Glück, in mei­nem Umfeld sehr vie­le Role-Models zu haben, von denen ich schon sehr viel ler­nen durf­te und die mir auch immer noch zur Sei­te ste­hen. Denn nur so kann ich mei­nen eige­nen Weg immer wie­der hin­ter­fra­gen und weiterentwickeln. 

 

Das ist auch einer der Grün­de war­um ich mich bei Frau in der Wirt­schaft und Jun­ge Wirt­schaft enga­gie­re. Netz­wer­ke sind so wich­tig, vor allem für vie­le Füh­rungs­kräf­te, denen in der eige­nen Fir­ma oft wenig Mög­lich­kei­ten blei­ben, über per­sön­li­che The­men und Sor­gen zu sprechen. 

Eine der ers­ten Ent­schei­dun­gen, die ich bewusst getrof­fen habe, war es, unse­re Unter­neh­men sicht­ba­rer zu machen und unse­re Stär­ken kla­rer zu posi­tio­nie­ren.
Wir haben uns auf lang­fris­ti­ge, stra­te­gi­sche Part­ner­schaf­ten kon­zen­triert – und dadurch das Ver­trau­en unse­rer Kun­den gestärkt.
Das Bewusst­sein, dass es nicht nur um Pro­duk­te, son­dern auch um Bezie­hun­gen geht, war für mich ein ech­ter Motivator.

Frauenportrait- Erfolgsstory -Was bedeutet Erfolg

Erfolg neu defi­niert: Hat sich Ihre Defi­ni­ti­on von Erfolg über die Jah­re ver­än­dert? Was bedeu­tet Erfolg heu­te für Sie?

Ich den­ke, dass Erfolg für jeden etwas ande­res bedeu­tet und das sich das über die Zeit auch immer wie­der ver­än­dern kann. Ich den­ke in den vie­len Jah­ren bis zu mei­ner Pen­si­on wird sich auch mei­ne Defi­ni­ti­on von Erfolg immer wie­der anpassen.

Man jon­gliert als Unter­neh­mer immer mit meh­re­ren Bäl­len und soll­te dabei immer im Auge behal­ten, wel­che zer­brech­lich sind und wel­che nicht. Dem­entspre­chend muss ich prio­ri­sie­ren. Es ist ein Tri­al-and-Error-Pro­zess: Man­che Din­ge funk­tio­nie­ren, ande­re nicht. Das Wich­tigs­te ist, mir klar zu machen, dass nicht alles auf ein­mal geht. Feh­ler und Schei­tern gehö­ren dazu und: ich bin nicht allein. Ich ver­su­che die Din­ge im beruf­li­chen Kon­text nicht zu per­sön­lich zu neh­men, son­dern mit einer gewis­sen Distanz zu betrach­ten. Denn am Ende des Tages sind es die Lern­pro­zes­se, die mich weiterbringen.

Was sich ver­än­dert hat: Die Angst vor Feh­lern ist weni­ger gewor­den – weil sie sich ein­fach nicht ver­mei­den las­sen. Was sich auch ver­än­dert hat, ist der Umgang damit. Selbst­zwei­fel, Vor­wür­fe oder Kri­tik brin­gen mich nicht wei­ter. Ich kann nur reflek­tie­ren, dar­aus ler­nen – und es beim nächs­ten Mal anders machen. Das klappt mal bes­ser, mal schlech­ter. Ich habe lan­ge den Anspruch gehabt, dass ich immer alles rich­tig machen muss. Aber ich habe gelernt, dass das Schei­tern oft die bes­se­re Schu­le ist – und dass Feh­ler nicht aus­blei­ben, zumin­dest nicht in die­ser Position.

Mein Fazit bis­her: mehr pro­bie­ren, dadurch mehr Feh­ler machen und dadurch schnel­ler ler­nen – also schnel­ler scheitern ;-).

Success

Täg­li­che Ritua­le: Haben Sie bestimm­te Gewohn­hei­ten, Rou­ti­nen oder Ritua­le, die Ihnen hel­fen, erfolg­reich zu bleiben?

 

Ich wür­de die Fra­ge etwas umfor­mu­lie­ren: Ich habe bestimm­te Gewohn­hei­ten, um belast­bar und fit zu blei­ben. Das Wich­tigs­te für mich ist gesun­de Ernäh­rung, ange­fan­gen bei der Aus­wahl mei­ner Lebens­mit­tel bis hin zur Zube­rei­tung. Du bist was du isst und ohne guten Treib­stoff bleibt auch die Leis­tung aus. Dar­über hin­aus hilft mir die Natur beim Abschal­ten, sei´s beim Wan­dern, Ski­fah­ren oder Laufen.

Die schwers­te Entscheidung:

Was war bis­her die schwie­rigs­te Ent­schei­dung in Ihrer Kar­rie­re, und wie sind Sie damit umgegangen?

 

Eine der schwie­rigs­ten Ent­schei­dun­gen ist es immer, sich von Men­schen zu tren­nen, wenn es nicht mehr passt. Das sind kei­ne ein­fa­chen Momen­te, aber ich habe gelernt, dass Klar­heit und Ehr­lich­keit hier der bes­te Weg ist.

Der inne­re Antrieb: Gibt es etwas in Ihnen, das Sie immer wie­der antreibt, selbst wenn die Din­ge schwie­rig wer­den? Kön­nen Sie das beschreiben?

 

Ener­gie geben mir auch mei­ne ehren­amt­li­chen Tätig­kei­ten – etwa über unser Netz­werk Frau in der Wirt­schaft oder bei der Jun­gen Wirtschaft.

Der Aus­tausch, das Feed­back und die Dyna­mik, wenn etwas gemein­sam umge­setzt wird, ist für mich der bes­te Antrieb überhaupt.

Aber auch im Team – was mich antreibt, ist wenn etwas zurück­kommt. Wenn ich mer­ke, dass Bewe­gung ent­steht. Zum Bei­spiel: ein Mit­ar­bei­ter hat ein Pro­blem, es gibt ein klä­ren­des Gespräch und die­se Ver­än­de­rung, die dadurch ent­steht, die­se Ener­gie, die­se neue Tat­kraft – das moti­viert mich immer wieder.

Es zeigt mir: Wir haben es selbst in der Hand. Und am Ende geht es immer um Bezie­hun­gen.
Gera­de im beruf­li­chen Kon­text, in dem wir so viel Zeit ver­brin­gen, ist eine ehr­li­che und part­ner­schaft­li­che Basis mit Hand­schlag­qua­li­tät das A und O.

Dazu gehört auch, dass ich unan­ge­neh­me The­men anspre­che. Denn von einer Kuschel­kul­tur hat nie­mand was. Ein gutes Team hat Ecken und Kan­ten – Ja-Sager brin­gen uns nicht wei­ter. Es braucht die Rei­bung, damit etwas wei­ter­geht. Da bringt’s nichts, wenn einer vor­ne steht und alle ande­ren mit­zie­hen müssen.

Fami­lie und Privatleben

Balan­ce­akt: Wie fin­den Sie die Balan­ce zwi­schen Ihrer Rol­le als Unter­neh­me­rin und Ihrem Pri­vat­le­ben? Gibt es kla­re Gren­zen oder fließt bei­des ineinander?

Als Selbst­stän­di­ge erle­be ich kei­ne kla­ren Gren­zen. Gera­de im Fami­li­en­un­ter­neh­men ver­schwim­men die Gren­zen oft. Das war schon bei mei­nen Groß­el­tern so und auch bei uns zu Hau­se war die Fir­ma immer prä­sent, aber das emp­fin­de ich nicht als etwas Schlechtes.

Schon als Kind waren wir oft mit – sei’s im Stein­bruch oder im Büro. Ich bin damit auf­ge­wach­sen, ken­ne man­che Mit­ar­bei­ter schon seit mei­ner Kind­heit. Das erfüllt mich auch mit Demut und ich fin­de es wich­tig, Kin­dern mit­zu­ge­ben, dass Arbeit nichts Schlech­tes ist. Arbeit muss mich in gewis­ser Wei­se auch erfül­len, immer­hin ver­brin­ge ich den Groß­teil mei­ner Lebens­zeit damit.

Manch­mal kom­men die Kin­der mei­ner Mit­ar­bei­ter zu Besuch ins Büro. Dafür gibt es eine eige­ne Spiel­ecke, damit die Kin­der nicht mit dem „Gebucht“ Stem­pel spie­len. Ich bin auch sehr stolz auf mei­ne Mit­ar­bei­ter in den Stein­brü­chen, die sich auch immer ger­ne die Zeit neh­men, den Kin­dern etwas zu zei­gen. Für mich ist das das schöns­te Zei­chen, dass Arbeit auch etwas Posi­ti­ves sein kann.

Heißt natür­lich nicht, dass es kei­ne ande­ren Gesprächs­the­men gibt oder ich kei­ne Zeit außer­halb des Büros ver­brin­ge. Ich spü­re, wenn es Zeit wird, etwas ruhi­ger zu machen. Dann gibt es wie­der Pha­sen, in denen ich vol­ler Taten­drang bin. Das Schö­ne an der Selbst­stän­dig­keit ist für mich, dass ich mich an der eige­nen Leis­tung ori­en­tie­ren kann – und nicht nur an fixen Geschäftszeiten.

Unternehmen. Von Frauen geführt. Österreich

Frau­en in der Wirt­schaft Das Frau-Sein im Business:

Emp­fin­den Sie es als Vor­teil oder Nach­teil, als Frau in Ihrer Bran­che tätig zu sein? Was unter­schei­det Frau­en in der Füh­rung von Männern?

Ich sehe es weder als Vor­teil noch als Nach­teil. Frau­en haben oft eine ande­re Her­an­ge­hens­wei­se, und genau das kann ein ech­ter Mehr­wert sein. Gleich­zei­tig hal­te ich Schub­la­den­den­ken für über­holt. Frau­en sind nicht weni­ger erfolg­reich oder selbst­stän­dig. Das zeigt sich auch dar­in, dass mitt­ler­wei­le knapp 50 % der Neugründer:innen weib­lich sind. Und das sagt mehr als jedes Vorurteil.

 

Es braucht bei­de Geschlech­ter. Ich fin­de es nicht zeit­ge­mäß, hier in klas­si­schen Rol­len­bil­dern zu den­ken. Ich sehe auch kei­nen Mehr­wert dar­in, das über extre­mes Gen­dern oder über­zo­ge­nen Akti­vis­mus zu regeln. Femi­nis­mus bedeu­tet für mich, uns Frau­en die Weib­lich­keit zurück­zu­ho­len und sie auch im beruf­li­chen Kon­text zu leben. Nicht, dass Frau­en wie Män­ner agie­ren. Es geht um Kom­pe­tenz, Visi­on und die Bereit­schaft, Din­ge vor­an­zu­trei­ben – unab­hän­gig vom Geschlecht. Und genau des­halb fin­de ich es so wich­tig, dass Frau­en auch Rol­len in Gre­mi­en und Ent­schei­dungs­po­si­tio­nen ein­neh­men. Weib­li­che Per­spek­ti­ven sind für die Wirt­schaft essen­zi­ell. Aber die Mischung macht´s und für ech­ten Erfolg braucht es alle Geschlechter.

Firmengeschichten- Österreich

Wie weib­lich darf Erfolg sein?

 

Ich den­ke nicht, dass Frau­en zu bes­se­ren Män­nern mutie­ren soll­ten. Ich glau­be auch nicht, dass das dann noch etwas mit Authen­ti­zi­tät zu tun hät­te. Letzt­end­lich geht es für mich um das Kön­nen, nicht um das Geschlecht. Ich den­ke es hat sich hier schon vie­les getan, aber es braucht defi­ni­tiv mehr weib­li­che Per­spek­ti­ve in Füh­rungs­rol­len. Frau­en füh­ren anders als Män­ner, nicht bes­ser, nicht schlech­ter, ein­fach anders. Und des­halb braucht es auch bei­de Sichtweisen.

Gemein­schaft oder Kon­kur­renz? Wie emp­fin­den Sie den Umgang unter Frau­en in der Busi­ness­welt – gibt es mehr Zusam­men­halt oder Konkurrenzdruck?

Gemein­schaft ist essen­zi­ell. Wir Frau­en ent­fal­ten unse­re gro­ße Stär­ke, wenn wir uns in der Tie­fe aus­tau­schen, ohne Kon­kur­renz­den­ken. Grup­pen, die sich ehr­lich aus­tau­schen, für­ein­an­der da sind, ohne über ande­re zu spre­chen – das erle­be ich als unglaub­lich berei­chernd. Ich kann für ande­re da sein und sie sind auch für mich da. Wenn wir Frau­en uns trau­en, uns zu öff­nen und gegen­sei­tig zu stär­ken, kann rich­tig viel ent­ste­hen – Fema­le Empowerment.

Es gibt es so einen „safe space“ über Frau in der Wirt­schaft, auch bei uns im Bezirk. Ich glau­be fest dar­an, dass wir das anzie­hen, was wir selbst aus­strah­len. Und wenn wir selbst nach Wer­ten leben, ver­än­dert sich auch das Umfeld mit der Zeit.

Eine Bot­schaft an jun­ge Frau­en: Was wür­den Sie jun­gen Frau­en sagen, die heu­te mit gro­ßen Träu­men star­ten, aber unsi­cher sind, ob sie in einer män­ner­do­mi­nier­ten Welt Erfolg haben können?

Für alle jun­gen Men­schen gilt: trau­en und dran­blei­ben. Erfolg ist ein Pro­zess und kommt nicht von heu­te auf morgen.

Als jun­ge Füh­rungs­kraft ohne tech­ni­schen Hin­ter­grund in einer män­ner­do­mi­nier­ten Bran­che habe ich mir oft Unter­stüt­zung oder einen Men­tor gewünscht. Ich nut­ze jede Gele­gen­heit für einen Aus­tausch und das kann ich nur weitergeben,

Reden, reflek­tie­ren, sich Feed­back holen – das ist essen­zi­ell für mich. Nur Refle­xi­on bringt uns wei­ter und lässt uns wach­sen – per­sön­lich und beruf­lich. Ich den­ke auch nicht, dass die­ser Pro­zess jemals auf­hö­ren wird oder man jemals „fer­tig“ ist. Was heu­te für mich rich­tig ist, kann ich in ein paar Jah­ren rück­bli­ckend auch anders sehen.

Authen­ti­zi­tät oder Stra­te­gie: Wie wich­tig ist Authen­ti­zi­tät in einer Zeit, in der vie­les stra­te­gisch geplant wird?

Ich glau­be in einer Welt in der man bald nicht mehr weiß, was echt und was KI gene­riert ist, wird die per­sön­li­che Kom­po­nen­te wich­ti­ger denn je. Bezie­hun­gen, Echt­heit und Boden­stän­dig­keit sind für mich lang­fris­ti­ge stra­te­gi­sche Erfolgs­fak­to­ren. Ob jemand authen­tisch ist, kann man eigent­lich nur spü­ren, weil es nicht plan­bar ist. Genau­so spürt man, ob jemand für das brennt, was er tut.

Und solan­ge wir mit ech­ten Men­schen Geschäf­te machen, wird es auch immer um den Men­schen gehen – und dar­um, mög­lichst echt und authen­tisch zu bleiben.

Vor allem als Unter­neh­me­rin fra­ge ich mich manch­mal in den Momen­ten des Zwei­felns „war­um tu ich mir das eigent­lich an?“

Was ich mir wün­sche – für unser Umfeld, unse­re Regi­on und unse­re Gesell­schaft – ist, dass sich Leis­tung wie­der in einem ganz­heit­li­chen Sinn lohnt. Ich mei­ne, nicht nur wirt­schaft­lich, son­dern auch menschlich.

Leis­tung heißt für mich nicht nur, was man erar­bei­tet – son­dern was man bei­trägt. In Unter­neh­men, in Fami­li­en, im Bezirk und in den Gemein­den. Vie­le die­ser Leis­tun­gen las­sen sich nicht in Geld mes­sen oder wer­den nicht mit Geld ent­lohnt. Oft sind es die Frau­en, die das gera­de in Fami­li­en betrifft. Und doch sind sie das Fun­da­ment unse­res Zusammenlebens.

Letzt­lich hängt vie­les davon ab, wie gut es unse­rer hei­mi­schen Wirt­schaft geht – und ob die Rah­men­be­din­gun­gen es ihr über­haupt erlau­ben, im glo­ba­len Wett­be­werb zu bestehen und zugleich die regio­nal wich­ti­gen Wer­te in Ver­bun­den­heit und ver­läss­lich leben zu können.

Ich wün­sche mir, dass wir als Unter­neh­men wei­ter­hin wach­sen – nicht nur wirt­schaft­lich, son­dern auch mensch­lich, im Bewusst­sein dafür, was wir bei­tra­gen. Dass wir nicht nur die Stei­ne ins Rol­len brin­gen, son­dern auch in unse­rer Gesell­schaft etwas bewegen.

 

 

Unternehmen im Fokus

Mich inspi­riert Dina Les­jak, weil sie nicht nur zwei Unter­neh­men erfolg­reich führt, son­dern auch durch ihr Enga­ge­ment und ihre Wer­te Men­schen verbindet.

Einen kur­zen Ein­blick in unse­re Zusam­men­ar­beit gibt es im Video auf You­Tube – authen­tisch, nah­bar und mit viel Herz.

Hier geht’s zum Kurz­vi­deo auf YouTube:

https://youtube.com/shorts/IT7o6wVRdAU

 

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